Pflegeversicherung für Selbstständige 2026: SPV und PPV
Dieser Überblick trennt zwei Systeme: Freiwillige GKV-Mitglieder sind nach § 20 Abs. 3 SGB XI grundsätzlich in der sozialen Pflegeversicherung (SPV) pflichtversichert. Privat Krankenversicherte müssen regelmäßig eine private Pflegepflichtversicherung (PPV) nach § 23 SGB XI unterhalten.
Scope: freiwillige GKV und selbst getragener SPV-Beitrag
Im Standardfall eines hauptberuflich Selbstständigen, der freiwilliges GKV-Mitglied ist und keinen zuschusspflichtigen Beschäftigungs- oder Sonderstatus hat, wird der SPV-Beitrag vom Mitglied getragen. Künstlersozialversicherung, landwirtschaftliche Versicherung, Rentenbezug, parallele Beschäftigung und andere Statuskonstellationen können abweichende Regeln auslösen.
Die sächsische 1,3/2,3-Aufteilung betrifft die Beitragstragung bei versicherungspflichtig Beschäftigten. Sie verändert nicht den bundesweiten Gesamtbeitragssatz eines reinen Selbstzahlers.
Beitragssätze 2026
| Situation | SPV-Satz |
|---|---|
| Kinderlos nach Ablauf des Monats des 23. Geburtstags, ohne Ausnahme | 4,20 % |
| Elternteil, ein Kind oder keine aktuellen Kinderabschläge | 3,60 % |
| 2 berücksichtigungsfähige Kinder unter 25 | 3,35 % |
| 3 Kinder unter 25 | 3,10 % |
| 4 Kinder unter 25 | 2,85 % |
| 5 oder mehr Kinder unter 25 | 2,60 % |
Der Kinderlosenzuschlag kennt unter anderem Ausnahmen für vor 1940 Geborene sowie gesetzlich genannte Leistungs- und Dienstgruppen. Elterneigenschaft verhindert den Zuschlag grundsätzlich dauerhaft; die Abschläge vom zweiten bis fünften Kind gelten dagegen nur bis zum Ende des Monats, in dem das jeweilige Kind 25 wird.
💻Freiberufler-Steuern berechnenBeitragsbasis: § 240 SGB V gilt entsprechend
§ 57 Abs. 4 SGB XI verweist für freiwillige GKV-Mitglieder auf § 240 SGB V. Deshalb zählen nicht nur Arbeitseinkünfte aus dem letzten Steuerbescheid. Maßgeblich ist die gesamte relevante wirtschaftliche Leistungsfähigkeit; etwa Vermietungs-, Kapital-, Renten- oder Versorgungsbezüge können je nach Fall einbezogen werden.
- Mindestbasis 2026: im Standardfall 1.318,33 EUR monatlich
- Gemeinsame KV/PV-BBG 2026: insgesamt 5.812,50 EUR monatlich beziehungsweise 69.750 EUR jährlich
Bei Aufnahme der Selbstständigkeit werden nachgewiesene voraussichtliche Einnahmen vorläufig angesetzt. Später folgt die endgültige Festsetzung anhand des Steuerbescheids für das Beitragsjahr. Fehlende Nachweise können nach den Fristen des § 240 SGB V zu einer Festsetzung auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze führen.
Mindestbeiträge aus der Standardbasis
Aus 1.318,33 EUR ergeben sich in der isolierten SPV-Rechnung folgende Monatswerte:
| Situation | Satz | Mindestbeitrag/Monat |
|---|---|---|
| Mit Kind | 3,60 % | 47,46 EUR |
| Kinderlos (ab 23 J.) | 4,20 % | 55,37 EUR |
| 2 Kinder (unter 25) | 3,35 % | 44,16 EUR |
| 3 Kinder (unter 25) | 3,10 % | 40,87 EUR |
Der Krankenversicherungsbeitrag kommt hinzu. Kassen- und Bescheidrundung, tagweise Mitgliedschaft und ein anderer Status können den Zahlbetrag verändern.
Kinderstaffel: vollständiger Abschlag auf Mitgliedsseite
Bei 4.000 EUR beitragspflichtiger Basis und drei Kindern unter 25 sinkt der Satz gegenüber einem Elternteil ohne Kinderabschlag von 3,60 % auf 3,10 %. Die Differenz beträgt 0,50 Prozentpunkte beziehungsweise 20 EUR monatlich.
Nach § 59a SGB XI wird der Kinderabschlag bei Beschäftigten vollständig beim Arbeitnehmeranteil berücksichtigt; der Arbeitgeberanteil bleibt konstant. Bei gleicher Beitragsbasis beträgt daher auch dort die mitgliedsseitige Differenz 20 EUR, nicht 10 EUR. Der Statusvergleich sagt nichts über die übrige Beitragslast aus.
Eltern- und Kinderdaten bei Selbstzahlern
Nach § 55 Abs. 3a SGB XI muss die Elterneigenschaft und Zahl berücksichtigungsfähiger Kinder bei Selbstzahlern gegenüber der Pflegekasse nachgewiesen beziehungsweise dort bekannt sein. Das automatisierte Verfahren nach §§ 55a und 55b SGB XI unterstützt den Datenaustausch; fehlende oder abweichende Kinderangaben müssen weiterhin geklärt werden.
💶Nettogehalt berechnenPrivate Pflegeversicherung (PPV)
Wer mit dem in § 23 SGB XI beschriebenen Schutz privat krankenversichert ist, muss grundsätzlich eine private Pflegepflichtversicherung abschließen und aufrechterhalten. Die Vertragsleistungen müssen nach Art und Umfang den gesetzlichen Pflegeleistungen gleichwertig sein; an die Stelle von Sachleistungen tritt eine gleich hohe Kostenerstattung.
Prämien, Familienangehörige, Beihilfe, Wartezeiten und Höchstgrenzen folgen den detaillierten Regeln der §§ 23 und 110 SGB XI sowie dem konkreten Vertrag. Eine pauschale Altfallsgrenze ist dafür ebenso ungeeignet wie die Annahme einer Eigenbezuschussung allein wegen beschäftigter Arbeitnehmer: Beschäftigte zu haben begründet keinen Arbeitgeberzuschuss für die eigene PPV.
Amtliche Quellen und Einordnung
- BMG — SPV-Sätze, Kinderstaffel und Beitragsgrenzen 2026
- § 20 SGB XI — SPV-Pflicht freiwilliger GKV-Mitglieder
- § 23 SGB XI — private Pflegepflichtversicherung
- § 55 SGB XI — Beitragssätze und Kinderregeln
- § 57 SGB XI — beitragspflichtige Einnahmen
- § 59a SGB XI — Berücksichtigung des Kinderabschlags
- § 110 SGB XI — private Vertragsbedingungen
Stand der Prüfung: 14. Juli 2026. Der Überblick ersetzt keine Status-, Beitrags-, Einkommens-, Zuschuss-, Kinder- oder Vertragsprüfung durch Kranken-/Pflegekasse, privaten Versicherer oder qualifizierte Beratung.