Inventar beim Hauskauf: GrESt auf Einbauküche & Co. sparen
Beim Immobilienkauf fällt Grunderwerbsteuer auf den gesamten Kaufpreis an — doch nicht alles, was mitverkauft wird, ist steuerpflichtig. Bewegliche Gegenstände wie Einbauküchen, Saunakabinen oder Markisen können legal herausgerechnet werden. So senken Sie Ihre GrESt um mehrere hundert bis tausend Euro.
Warum Inventar nicht grunderwerbsteuerpflichtig ist
Die Grunderwerbsteuer wird gemäß § 1 GrEStG i. V. m. § 2 GrEStG ausschließlich auf inländische Grundstücke und deren wesentliche Bestandteile im Sinne der §§ 93, 94 BGB erhoben. Wesentliche Bestandteile sind Sachen, die fest mit dem Grund und Boden verbunden sind — insbesondere das Gebäude selbst und fest eingebaute Anlagen.
Bewegliche Sachen und sogenanntes Zubehör im Sinne des § 97 BGB fallen dagegen nicht unter die Steuerpflicht. Eine Einbauküche beispielsweise wird in ständiger Rechtsprechung nicht als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes klassifiziert, da sie ohne Zerstörung ihres Wesens ausgebaut und andernorts wieder aufgebaut werden kann.
Welche Gegenstände können herausgerechnet werden?
In der notariellen Transaktionspraxis werden routinemäßig folgende Gegenstände vom Kaufpreis abgezogen:
- Einbauküche: Inklusive fest verbauter Elektrogeräte (Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Dunstabzugshaube)
- Sauna / Infrarotkabine: Sofern nicht untrennbar in die Bausubstanz eingemauert
- Markisen: Außenliegende Sonnenschutzanlagen
- Gartenhaus / Geräteschuppen: Frei stehend und nicht fundamentiert
- Kaminofen: Freistehende Kaminöfen mit Ofenrohr (nicht gemauerte Kamine)
- Satellitenschüssel / SAT-Anlage
- Einbauschränke: Sofern demontierbar
- Möbel: Mitverkaufte Möbelstücke jeder Art
- Gartengeräte: Rasentraktor, Aufsitzmäher, Werkzeuge
Nicht herausgerechnet werden können dagegen fest eingebaute Bestandteile wie die Heizungsanlage, sanitäre Einrichtungen (Badewanne, fest verlegte Fliesen), Treppengeländer oder die Elektroinstallation — diese gelten als wesentliche Bestandteile des Gebäudes.
🔑 Kaufnebenkosten Rechner nutzenRichtig dokumentieren: So akzeptiert das Finanzamt den Abzug
Damit das Finanzamt die Minderung der Bemessungsgrundlage anerkennt, müssen strenge Anforderungen erfüllt werden:
- Einzelaufstellung im Kaufvertrag: Die beweglichen Gegenstände müssen bereits im notariellen Kaufvertrag einzeln aufgeführt und mit einem separaten, realistischen Wert beziffert werden.
- Keine pauschalen Abzüge: Eine pauschale Angabe wie „10 % des Kaufpreises entfallen auf Inventar" wird kategorisch abgelehnt.
- Realistische Wertansätze: Die Werte müssen dem tatsächlichen Zeitwert entsprechen, nicht dem Neupreis.
- Belege aufbewahren: Kaufquittungen, Rechnungen oder Fotos der Gegenstände untermauern die Wertansätze.
Zeitwert berechnen: Die AfA-Tabelle als Maßstab
Die Finanzämter orientieren sich bei der Prüfung der Wertansätze an den amtlichen AfA-Tabellen (Absetzung für Abnutzung). Die lineare Abschreibung bestimmt den Restwert:
| Gegenstand | Nutzungsdauer | AfA-Satz/Jahr |
|---|---|---|
| Einbauküche | 10 Jahre | 10 % |
| Elektrogeräte (separat) | 7 Jahre | 14,3 % |
| Sauna / Infrarotkabine | 10 Jahre | 10 % |
| Markisen | 10 Jahre | 10 % |
| Möbel / Einbauschränke | 13 Jahre | 7,7 % |
| Gartengeräte (motorisiert) | 8 Jahre | 12,5 % |
Die Formel für den Zeitwert lautet:
Zeitwert = Neupreis - (Neupreis x AfA-Satz x Alter in Jahren)
Ist die Nutzungsdauer vollständig abgelaufen, beträgt der Zeitwert rechnerisch 0 EUR. In der Praxis wird bei noch funktionsfähigen Gegenständen jedoch oft ein kleiner Restwert angesetzt.
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus in NRW
Ein Ehepaar kauft ein gebrauchtes Einfamilienhaus in Nordrhein-Westfalen für einen Gesamtkaufpreis von 400.000 EUR. Im Haus befinden sich folgende bewegliche Gegenstände:
| Gegenstand | Neupreis | Alter | Zeitwert |
|---|---|---|---|
| Einbauküche | 20.000 EUR | 5 Jahre | 10.000 EUR |
| Sauna | 8.000 EUR | 5 Jahre | 4.000 EUR |
| Markisen (3 Stück) | 4.500 EUR | 3 Jahre | 3.150 EUR |
| Kaminofen | 3.000 EUR | 4 Jahre | 1.800 EUR |
| Gartenhaus | 2.000 EUR | 6 Jahre | 1.050 EUR |
| Summe Inventar | 20.000 EUR |
Berechnung der Ersparnis
Steuerpflichtige Bemessungsgrundlage: 400.000 - 20.000 = 380.000 EUR
GrESt-Satz NRW: 6,5 %
GrESt ohne Inventarabzug: 400.000 x 6,5 % = 26.000 EUR
GrESt mit Inventarabzug: 380.000 x 6,5 % = 24.700 EUR
Ersparnis: 1.300 EUR
Der Inventaranteil liegt bei 5 % des Kaufpreises — weit unterhalb der als kritisch geltenden Schwelle. Das Finanzamt wird diese Aufteilung bei sauber dokumentierten Wertansätzen in der Regel akzeptieren.
🔑 Kaufnebenkosten Rechner nutzenFaustregel: Bis 15 % werden meist akzeptiert
In der Verwaltungspraxis hat sich eingebürgert, dass Inventarwerte von bis zu etwa 15 % des Gesamtkaufpreises vom Finanzamt ohne vertiefte Prüfung durchgewunken werden — vorausgesetzt, die Gegenstände sind einzeln aufgelistet und die Werte nachvollziehbar. Ab diesem Schwellenwert steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rückfrage oder Schätzung durch das Finanzamt erheblich.
Bei hochwertigen Immobilien mit umfangreicher Ausstattung (Designer-Küche, Heimkino, Wellnessbereich) können auch höhere Anteile berechtigt sein — dann sollten Sie die Wertansätze besonders sorgfältig mit Belegen untermauern.
Vorsicht: Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO
So legitim die Herausrechnung von Inventar ist — bei einer systematischen Überbewertung drohen rechtliche Konsequenzen:
- Schätzung nach § 162 AO: Das Finanzamt kann die Werte von Amts wegen korrigieren, wenn sie den Zeitwert erheblich übersteigen.
- Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO: Bei offensichtlicher Übertreibung steht der Verdacht eines strafbewehrten Missbrauchs im Raum.
- Nachversteuerung: Das Finanzamt kann die GrESt nachträglich auf den ungekürzten Kaufpreis festsetzen.
Typische Warnsignale für das Finanzamt: Eine Einbauküche wird mit 25.000 EUR angesetzt, obwohl sie 8 Jahre alt ist und einen Neupreis von 12.000 EUR hatte. Oder ein pauschaler Inventarwert von 50.000 EUR bei einem Kaufpreis von 200.000 EUR ohne nachvollziehbare Einzelaufstellung.
Ersparnis nach Bundesland: So viel bringen 20.000 EUR Inventar
| Bundesland | GrESt-Satz | Ersparnis bei 20.000 EUR Inventar |
|---|---|---|
| Bayern | 3,5 % | 700 EUR |
| BW, HB, NDS, RP, ST, TH | 5,0 % | 1.000 EUR |
| HH, SN | 5,5 % | 1.100 EUR |
| BE, HE, MV | 6,0 % | 1.200 EUR |
| BB, NW, SL, SH | 6,5 % | 1.300 EUR |
Je höher der GrESt-Satz im Bundesland, desto mehr lohnt sich die sorgfältige Erfassung des beweglichen Inventars. In den Hochsteuerländern Brandenburg, NRW, Saarland und Schleswig-Holstein bringt jeder herausgerechnete Euro 6,5 Cent direkte Steuerersparnis.
🏠 Grunderwerbsteuer berechnenFazit: Kleiner Aufwand, spürbare Ersparnis
Die Herausrechnung von beweglichem Inventar ist eine der einfachsten und zugleich effektivsten Methoden, die Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf zu senken. Der Aufwand beschränkt sich auf eine sorgfältige Auflistung im Kaufvertrag und die Berechnung realistischer Zeitwerte. Sprechen Sie das Thema rechtzeitig vor der Beurkundung mit Ihrem Notar an — eine nachträgliche Änderung des Kaufvertrags ist nur mit erheblichem Aufwand möglich. Nutzen Sie unseren Kaufnebenkostenrechner, um die Gesamtkosten mit und ohne Inventarabzug zu vergleichen.